Die kurze Antwort: Je näher eine Sprache mit dem Deutschen verwandt ist, desto weniger müssen Sie wirklich neu lernen. Das klingt selbstverständlich, hat aber konkrete Folgen: Zwischen Niederländisch und Japanisch liegt für Deutschsprachige ungefähr der Faktor fünf an Lernaufwand – nicht wegen unterschiedlicher Schwierigkeit an sich, sondern weil im einen Fall Wortschatz, Satzbau und Schrift größtenteils vertraut sind und im anderen fast nichts. Auf dieser Seite lesen Sie, welche Sprachen zu welcher Familie gehören, was das praktisch bedeutet und welche Sprache nach welcher besonders leichtfällt.
Die passende Sprache zum Einstieg finden
- ✓ Über 80 Sprachen – von eng verwandt bis exotisch
- ✓ Alle Vokabeln von Muttersprachlern vertont, rund 17 Minuten am Tag
- ✓ 2 Tage kostenlos testen, einmal zahlen statt Abo
Die Familien im Überblick
| Familie / Zweig | Sprachen (Auswahl) | Nähe zum Deutschen |
|---|---|---|
| Germanisch | Niederländisch, Englisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch | sehr nah |
| Romanisch | Spanisch, Italienisch, Französisch, Portugiesisch, Rumänisch | mittel |
| Slawisch | Kroatisch, Polnisch, Russisch, Tschechisch, Serbisch | entfernt |
| Griechisch | Griechisch (eigener Zweig) | entfernt |
| Finnougrisch | Finnisch, Ungarisch, Estnisch | nicht verwandt |
| Turksprachen | Türkisch, Aserbaidschanisch, Kasachisch | nicht verwandt |
| Semitisch | Arabisch, Hebräisch, Maltesisch | nicht verwandt |
| Sinotibetisch | Chinesisch, Tibetisch, Birmanisch | nicht verwandt |
Die ersten vier Zeilen gehören alle zur indogermanischen Familie – deshalb finden sich selbst zwischen Deutsch und Russisch noch Gemeinsamkeiten, etwa in Zahlwörtern und Verwandtschaftsbezeichnungen. Ab Zeile fünf endet die Verwandtschaft, und damit auch der Vorsprung.
Wie sich Verwandtschaft im Alltag zeigt
Das Wort für „Haus“ macht es anschaulich:
| Sprache | Familie | Wort |
|---|---|---|
| Deutsch | germanisch | Haus |
| Niederländisch | germanisch | huis |
| Schwedisch | germanisch | hus |
| Englisch | germanisch | house |
| Spanisch | romanisch | casa |
| Französisch | romanisch | maison |
| Kroatisch | slawisch | kuća |
| Finnisch | finnougrisch | talo |
| Türkisch | Turksprache | ev |
Die ersten vier erkennen Sie ohne Vorkenntnisse. Bei den romanischen ahnen Sie es über Umwege – casa kennen viele aus dem Italienischen. Ab dem Slawischen hilft nur noch Lernen.
Nicht nur Wörter: Was noch mitkommt
- Satzbau. Germanische Sprachen bauen Sätze ähnlich wie das Deutsche. Türkisch stellt das Verb ans Ende und hängt Endungen aneinander, wo wir eigene Wörter verwenden.
- Grammatische Kategorien. Fälle kennen Deutsch und die slawischen Sprachen, die romanischen dagegen kaum – dafür haben diese viele Verbformen.
- Schrift. Lateinisches Alphabet ist ein stiller Vorteil. Kyrillisch, Griechisch oder gar japanische Schrift kosten zusätzliche Wochen, bevor überhaupt gelesen werden kann.
- Lautsystem. Je vertrauter die Laute, desto schneller kommt verständliche Aussprache. Tonhöhen wie im Chinesischen sind eine völlig neue Kategorie.
Was nach was besonders leichtfällt
| Wenn Sie schon können | fällt leicht | Warum |
|---|---|---|
| Deutsch (Muttersprache) | Niederländisch | engste Verwandte, sehr viel Wortschatz geschenkt |
| Englisch (Schule) | Schwedisch, Norwegisch | germanisch, einfache Grammatik |
| Spanisch | Italienisch, Portugiesisch | gleiche Familie, sehr ähnliche Muster |
| Französisch | Spanisch, Italienisch | gemeinsamer lateinischer Ursprung |
| Kroatisch | Serbisch, Slowenisch, Polnisch | slawische Verwandtschaft |
| Russisch | Ukrainisch, Bulgarisch | Wortschatz und kyrillische Schrift |
Die Kehrseite: Sehr ähnliche Sprachen vermischen sich im Kopf. Wer Spanisch und Italienisch gleichzeitig beginnt, greift regelmäßig zur falschen Form. Besser eine bis zu einem soliden Niveau bringen und dann die zweite dazunehmen – mehr dazu in Mehrere Sprachen gleichzeitig lernen und im Vergleich Spanisch oder Italienisch?.
Was Verwandtschaft nicht erklärt
Damit das Bild vollständig ist – zwei Einschränkungen:
- Nähe schützt nicht vor Tücken. Dänisch ist eng verwandt und trotzdem schwer zu verstehen, weil beim Sprechen viel verschliffen wird. Englisch ist verwandt und hat eine der unregelmäßigsten Rechtschreibungen überhaupt.
- Nicht verwandt heißt nicht schwer. Türkisch ist mit dem Deutschen nicht verwandt, aber bemerkenswert regelmäßig aufgebaut – wer die Endungen verstanden hat, kann sehr viel selbst bilden. Unregelmäßigkeit macht mehr Mühe als Fremdheit.
Wie sich das in Stunden niederschlägt, zeigt Wie lange dauert es, eine Sprache zu lernen? mit einer Übersicht über mehr als 20 Sprachen.
Mit einer verwandten Sprache anfangen
- ✓ Über 80 Sprachen – vom leichten Einstieg bis zur Herausforderung
- ✓ 2 Tage kostenlos testen, einmal zahlen statt Abo, 10 Jahre Zugriff
- ✓ 31-Tage-Geld-zurück-Garantie nach dem Kauf
Welche Sprachen für Deutschsprachige am zugänglichsten sind, steht in Die leichtesten Sprachen für Deutsche, das Gegenstück in Die schwersten Sprachen. Eine Übersicht der Sprecherzahlen bietet Die meistgesprochenen Sprachen der Welt. Alle Sprachen finden Sie auf der A–Z-Seite.
Häufige Fragen
Was ist eine Sprachfamilie?
Eine Sprachfamilie ist eine Gruppe von Sprachen, die sich aus einer gemeinsamen Vorgängersprache entwickelt haben. Deutsch, Englisch, Niederländisch und die skandinavischen Sprachen gehen etwa auf das Urgermanische zurück – daher ähneln sich Grundwortschatz und Satzbau bis heute. Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Rumänisch stammen vom Lateinischen ab und bilden die romanische Gruppe. Beide gehören zur großen indogermanischen Familie, weshalb auch zwischen Deutsch und Spanisch noch Gemeinsamkeiten bestehen, nur eben entferntere.
Welche Sprachen sind mit Deutsch verwandt?
Am engsten Niederländisch, gefolgt von Englisch und den skandinavischen Sprachen Schwedisch, Norwegisch und Dänisch – alle gehören zum germanischen Zweig. Deutlich entfernter, aber noch derselben großen Familie zugehörig, sind die romanischen Sprachen wie Spanisch und Italienisch sowie die slawischen wie Kroatisch, Polnisch und Russisch. Nicht verwandt sind dagegen Finnisch, Ungarisch, Estnisch, Türkisch, Arabisch, Chinesisch und Japanisch – deshalb wirken sie beim ersten Kontakt so fremd.
Fällt mir eine zweite Sprache derselben Familie leichter?
Deutlich, ja. Wer Spanisch gelernt hat, erschließt sich Italienisch oder Portugiesisch mit einem Bruchteil des ursprünglichen Aufwands – Wortschatz, Zeitformen und Satzbau folgen denselben Mustern. Das gilt ebenso innerhalb der germanischen und der slawischen Gruppe. Ein Nebeneffekt hat allerdings seine Tücken: Sehr ähnliche Sprachen vermischen sich im Kopf leicht. Deshalb ist es sinnvoll, die erste bis zu einem soliden Niveau zu bringen, bevor die zweite dazukommt.